Vom Umgang mit gehässigen Menschen

 

Beziehungen sind das Salz in der Lebenssuppe. Was aber wenn dir diese Beziehungen nicht gut tun?

Ich kenne nicht viele gehässige Menschen. Aber wenn sie mir begegnen, dann erkenne ich sie sofort. An ihrem verächtlichen Blick, an ihren spitzen Bemerkungen und an den oft leicht dahin gesagten bewussten Kränkungen. Oft schön verpackt und meist zweideutig zu interpretieren, treffen sie doch das Ziel.


Eine beste Freundin


 

Als Kind hatte ich so eine gehässige Schulkameradin, mit der ich gerne befreundet gewesen wäre. Es war so eine Art Hassliebe mangels anderer Gelegenheit. Wir wohnten etwas entfernt vom Dorfgeschehen  und ansonsten blieben nur die Jungs als Spielkameraden oder die eigenen  vier Schwestern. Da ich aber ein Mädchen war, wünschte ich mir eine neutrale weibliche Spielkameradin. Als Kind in einem fast reinen Frauenhaushalt, da suchst du nach Alternativen zur Familie, um deine Identität außerhalb der Familie zu finden.

 

Das Bedürfnis wurde dann von meiner kleinen Freundin auch gnadenlos ausgenutzt. Launisch, unberechenbar und dabei noch eine gnadenlose Lügnerin, wenn es um die eigenen Belange ging, spielte sie ihre Karten gekonnt aus. Ich  tat  sehr viel um ihr zu gefallen und war mehr als einmal Lückenbüßerin und Prügelknabe für ihre Aktionen. Es war eine Gnade wenn sie Zeit für mich hatte. Ich habe mich als Kind oft gefragt, warum sie  dennoch immer wieder meine Nähe suchte.

 


Das Leben ist ein Geben und Nehmen


 

Was sie wohl an mir mochte, das war mein Mut, meine guten Ideen, meine Fantasie die Zeit zu gestalten, zu entdecken und Neues auszuprobieren. Alles was sie nicht hatte. Irgendwann, nach unendlichem Hin und Her, vielen Verletzungen und Gehässigkeiten, waren mir dann die Kommunikation mit Jungs doch lieber und das hat sich bis heute gehalten.

 

Ich unterhalte mich meist lieber mit Männern als mit Frauen, was oft  zu Irritationen führt, vor allem wenn sich in Gesellschaften Männer- und Frauenrunden bilden.


Die Spiele der Erwachsenen


 

Wenn ich einen Menschen als gehässig einstufe, dann ist es auf der einen Seite sein Verhalten, das ich bewerte und als nicht kompatibel mit meinem Wertesystem erachte. Was geht in einem Menschen vor, der sich nur durch einen subtilen Angriff zu helfen weiß?

 

Wie muss es in ihm aussehen und welche Ängste schlummern da im Geheimen? Warum muss er zeigen, dass er dich gering schätzt, sich als schlauer, mächtiger,  fixer oder mutiger sieht und dich somit ständig degradiert? Vielleicht weil er genauso ist und du es falsch wahrnimmst oder er spielt Spielchen. Was sind seine Beweggründe diese Bemerkung oder Spitzen gerade jetzt rauszuhauen? Spannende Frage.

 

Die Antworten liegen in der Biografie des Menschen verborgen und in den Spielen die sie mit dir spielen.

 

Diese Spiele, die sie in frühester Kindheit und Jugend gelernt haben um zu überleben. Erkennst du die Spiele, dann entdeckst du auch die Ängste und Muster hinter den oft unreifen Aktionen. Verhaltensmuster, die als Kind entstanden und zu dieser Zeit ihren Sinn hatten, die funktionieren auch oft noch im Erwachsenenalter.

 


Ich entfreunde mich mal


 

Leider müssen diese Menschen, dann auch im Erwachsenenalter mit den unliebsamen Konsequenzen leben. Wie in meinem Fall, wird man sich von ihnen abwenden und sie ihren Urängsten überlassen. Nicht wichtig zu sein, nicht geliebt zu werden und keine echten Freunde zu haben. Sie werden sich neue Opfer suchen oder sich weiter entwickeln.

 

In Facebook ist es noch einfacher. Du kannst dich entfreunden. Es gäbe aber auch die Möglichkeit noch genauer hinzuschauen, was da gerade passiert und die Spiele zu entlarven, die gerade stattfinden.  Spannend.

 

Der amerikanische Psychiater Eric Berne hat in seinem Buch „ Die Spiele der Erwachsenen“ unterschiedliche menschliche Spiele entlarvt. Die Ehespiele, die Doktorspiele, Sex- und Räuberspiele und die dafür notwendigen Spielpartner, die ja auch mitmachen müssen.

Alle Spiele, die von Kindern als auch die von Erwachsenen haben ihre Daseinsberechtigungen. Unsere frühkindlichen Programmierungen sichern uns den Austausch von Informationen, den traditionellen Höflichkeitsaustausch und versuchen unsere soziale Akzeptanz zu sichern. Was nicht nur in der Evolutionsgeschichte, sondern auch in der Kindheit das Überleben sicherte.

Deshalb kann ich aus heutiger Sicht meine "kleine gehässige Freundin" sehr gut verstehen und so manche meiner Reaktionen auch. Bei zufälligen Treffen kann ich aber auch erkennen: Nichts hat sich verändert. Sie spielt immer noch das gleiche Spiel. Ich spiele jedoch nicht mehr mit. ;-)

Viel Spaß beim Entdecken von dir Selbst.

Mehr dazu:

Buchtipp: Die Spiele der Erwachsenen von Eric Berne

Persönlichkeitsstörungen verstehen von Rainer Sachse

 

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